Eine Studentin wirft sieben Männern vor, sie unter Alkohol- und Drogeneinfluss in einem Verbindungshaus vergewaltigt zu haben; strafrechtlich wurde bislang niemand verfolgt. Der Universitätspräsident räumt ein, dass die Universität »besser handeln« muss und unterstützt die Übergabe der Ermittlungen an die Generalstaatsanwältin von New York.
Cornell-Präsident äußert sich zu mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung im Verbindungshaus
Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe darf niemals die individuelle Verantwortung schmälern
Warum hat es so lange gedauert, bis sich der Universitätspräsident öffentlich geäußert hat?
Der Fall wurde erst öffentlich, nachdem Jane Doe im September eine Zivilklage einreichte. Vorher war es ein interner Universitätsfall. Die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien und die nationale Berichterstattung haben den Druck erheblich erhöht.
Aber die Vorwürfe stammen aus Oktober 2024. Das ist fast ein Jahr her. Die Frage ist nicht nur, warum Kotlikoff jetzt spricht, sondern warum die lokalen Behörden damals nicht ermittelt haben.
Was genau wirft die Universität dem Fall vor?
Kotlikoff nennt ihn »zutiefst beunruhigend« und sagt, dass die Institution »besser handeln« muss. Er erkennt an, dass Fragen zu sexuellen Übergriffen, Entmenschlichung und Partykultur aufgeworfen werden.
Das ist eine Anerkennung, aber keine Erklärung. Wir wissen nicht, wer genau suspendiert oder exmatrikuliert wurde. Die Universität hält diese Details zurück.
Welche Rolle spielen die Studierendenverbindungen in diesem Fall?
Kotlikoff sagt, dass Verbindungen Freundschaften und Zugehörigkeitsgefühl bieten können, aber auch eine Kultur der individuellen Verantwortung fördern müssen. Die Chi-Phi-Gruppe wurde aufgelöst.
Das ist wichtig, aber es ist auch eine Art Ablenkung. Der Fall zeigt, dass sieben Männer in einem Gruppenchat über das Verbrechen sprachen, als wäre es normal. Das ist nicht nur ein Verbindungsproblem – das ist ein kulturelles Problem.
Was passiert jetzt?
Die Generalstaatsanwältin von New York ermittelt jetzt. Das ist ein Schritt, den der Universitätspräsident unterstützt.
Aber wir sollten beachten, dass die strafrechtliche Verfolgung bisher nicht stattgefunden hat. Die Frage ist, ob die neue Ermittlung zu Anklagen führt oder ob es wieder bei administrativen Maßnahmen bleibt.
O Pulso
- Sieben Männer werden beschuldigt, eine Studentin im Oktober 2024 in einem Verbindungshaus vergewaltigt zu haben
- Keine strafrechtliche Verfolgung bislang; Generalstaatsanwältin von New York ermittelt jetzt
- Chi-Phi-Gruppe wurde 2024 aufgelöst; Universität verhängte Exmatrikulationen und Suspendierungen
Eine Studentin wirft sieben Männern vor, sie unter Alkohol- und Drogeneinfluss in einem Verbindungshaus vergewaltigt zu haben; strafrechtlich wurde bislang niemand verfolgt. Der Universitätspräsident räumt ein, dass die Universität »besser handeln« muss und unterstützt die Übergabe der Ermittlungen an die Generalstaatsanwältin von New York.
Der Präsident der Cornell University äußert sich erstmals öffentlich zur mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer Studentin durch sieben Kommilitonen im Oktober 2024 und nennt den Fall »zutiefst beunruhigend«.
Michael Kotlikoff, der Präsident der Cornell University, hat sich erstmals öffentlich zu einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte seiner Institution geäußert. In einer achtminütigen Videobotschaft an die Cornell-Gemeinschaft nannte er die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung einer Studentin im Oktober 2024 »zutiefst beunruhigend« und räumte ein, dass die Universität »besser handeln« muss. Die Frau, die sich selbst nur »Jane Doe« nennt, wirft sieben Männern vor, sie unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen in dem Verbindungshaus von Chi Phi auf dem Campus in Ithaca, New York, sexuell missbraucht zu haben. Bis heute wurde strafrechtlich niemand verfolgt.
Kotlikoff sprach von einer der schwierigsten Wochen in der Universitätsgeschichte. »Es schmerzt mich zutiefst, wenn ich daran denke, was sie durchgemacht hat«, sagte er in der Videobotschaft. Der Fall werde die Universität noch über Jahre hinweg belasten. Der Präsident erkannte an, dass die Vorwürfe »herzzerreißende und beunruhigende Fragen zu sexuellen Übergriffen, Entmenschlichung sowie zu Aspekten der Partykultur, des Alkohol- und Drogenkonsums« aufwerfen. Er betonte, dass die Universität als Institution und als Gemeinschaft es besser machen müsse.
Die öffentliche Stellungnahme kam unter massivem Druck zustande. In den Tagen zuvor war die Kritik an Kotlikoff erheblich gewachsen. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul wurde auf einer Pressekonferenz gefragt, ob der Universitätspräsident zurücktreten sollte. Sie weigerte sich, Stellung zu nehmen, und erklärte, sie habe noch nicht genügend Informationen. Hochul hatte zuvor entschieden, die strafrechtlichen Ermittlungen an die Generalstaatsanwältin des Staates, Letitia James, zu übergeben, die nun als Sonderermittlerin fungiert. Kotlikoff erklärte seine Unterstützung für diesen Schritt.
Die Cornell-Gruppe von Chi Phi wurde bereits 2024 aufgelöst und hat keinen Zutritt zum Campus mehr. Dies war das Ergebnis einer mehrmonatigen Untersuchung durch die Universität. Die Institution verhängte auch Exmatrikulationen und Suspendierungen, gab aber nicht bekannt, gegen wen sich diese richteten. Die Universität wies Behauptungen zurück, wonach die Beschuldigten lediglich dazu verurteilt worden seien, einen Aufsatz zu schreiben. Kotlikoff forderte in seinem Video eine »ernsthafte Auseinandersetzung mit der Rolle von Studierendenverbindungen im Campusleben«. Er räumte ein, dass diese Organisationen Studierenden Freundschaften, Mentoring und ein Zugehörigkeitsgefühl bieten können, aber auch eine Kultur der individuellen Verantwortung und Rechenschaftspflicht fördern müssen. »Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe darf niemals die individuelle Verantwortung für unser eigenes Handeln schmälern«, sagte er.
Der Fall kam erst in die Öffentlichkeit, nachdem Jane Doe im September eine Zivilklage einreichte. Danach verbreitete sich die Geschichte über soziale Medien und wurde von nationalen US-Medien aufgegriffen. Die schockierenden Details – darunter vulgäre Nachrichten in einer Snapchat-Gruppe der Verbindungsmitglieder – und die Tatsache, dass bisher keine strafrechtlichen Konsequenzen folgten, lösten landesweite Empörung aus. Die New Yorker Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez nannte den Fall ein Beispiel für »Vergewaltigungskultur« und sagte: »Diese Männer haben in einem Gruppenchat darüber geschrieben. Das bedeutet, dass es für sie normal war.« Der Fall reiht sich in eine jahrelange Debatte über sexualisierte Gewalt an US-amerikanischen Hochschulen und die Rolle von Studierendenverbindungen ein. Cornell ist eine private Universität und gehört zur Ivy League, einer Gruppe renommierter Eliteuniversitäten im Nordosten der USA.
Citações Notáveis
Es schmerzt mich zutiefst, wenn ich daran denke, was sie durchgemacht hat— Michael Kotlikoff, Präsident der Cornell University
Diese Männer haben in einem Gruppenchat darüber geschrieben. Das bedeutet, dass es für sie normal war— Alexandria Ocasio-Cortez, Kongressabgeordnete aus New York