Zehn Jahre nach dem Brexit sendet London neue Signale der Annäherung an Brüssel – nicht als Rückkehr, sondern als Neuverortung. Premierminister Andy Burnham räumt ein, dass der Austritt dem Land mehr geschadet als genutzt habe, und öffnet damit eine Debatte, die viele für abgeschlossen hielten. Zwischen den Völkern und Institutionen besteht längst wieder eine dichte Verflechtung, doch die Frage bleibt, ob Pragmatismus allein die Wunden einer politischen Scheidung heilen kann.
Burnhams Brexit-Aussage nährt Spekulationen über britische EU-Rückkehr
Der Brexit hat mehr geschadet als genutzt
Was hat Burnham genau gesagt, das diese Spekulationen ausgelöst hat?
Er hat erklärt, dass der Brexit mehr geschadet als genutzt hat, und dass alle Optionen auf dem Tisch liegen. Das ist eine deutliche Abkehr von der bisherigen Position.
Aber "alle Optionen" ist vage. Hat er konkret eine Rückkehr vorgeschlagen, oder spricht er nur von besserer Zusammenarbeit?
Das ist der Punkt – die Aussage ist bewusst offen formuliert. Die EU-Seite reagiert ebenfalls vorsichtig und sagt, sie sei offen für Vorschläge.
Wie viel Zusammenarbeit gibt es denn bereits?
Überraschend viel. Ein 1.200-Seiten-Abkommen regelt Handel, Fischerei, Strafverfolgung. Großbritannien nimmt wieder an Erasmus und Copernicus teil, britische Wissenschaftler können Forschungsgelder beantragen.
Das klingt nach praktischer Zusammenarbeit, aber nicht nach Mitgliedschaft. Was sind die echten Hürden?
Die Visa- und Zollbestimmungen. EU-Bürger brauchen Visa für Großbritannien, Waren müssen durch Zollverfahren. Das ist ein großer Unterschied zur Mitgliedschaft.
Könnte Großbritannien einfach wieder beitreten?
Rechtlich ja, aber politisch? Die EU hat keine Glaskugel, wie sie selbst sagt. Und es gibt jetzt ein neues Modell: assoziierte Mitgliedschaft, wie bei Kanada.
Das könnte der Kompromiss sein – tiefere Zusammenarbeit ohne volle Mitgliedschaft. Im November gibt es einen Gipfel, da werden konkretere Pläne sichtbar.
O Pulso
- Burnhams offene Worte – der Brexit habe mehr geschadet als genutzt – haben eine schlummernde Debatte über eine mögliche Rückkehr Großbritanniens in die EU wieder zum Leben erweckt.
- Trotz eines 1.200-seitigen Kooperationsabkommens bleiben handfeste Hürden: Visa, Zollformulare und bürokratische Barrieren belasten Handel und Reisefreiheit täglich.
- Schritt für Schritt kehrt Großbritannien in europäische Programme zurück – Erasmus, Horizon, Copernicus – als tastende Annäherung unterhalb der Schwelle formaler Mitgliedschaft.
- Die EU reagiert gemessen: Man sei offen für Vorschläge, doch eine Glaskugel habe niemand – die Zukunft der Beziehungen bleibt bewusst offengelassen.
- Ein EU-UK-Gipfel im November soll neue Felder der Zusammenarbeit erschließen, besonders in Verteidigung und Geheimdienstarbeit – eine vollständige Rückkehr gilt dennoch als unwahrscheinlich.
Zehn Jahre nach dem Brexit sendet London neue Signale der Annäherung an Brüssel – nicht als Rückkehr, sondern als Neuverortung. Premierminister Andy Burnham räumt ein, dass der Austritt dem Land mehr geschadet als genutzt habe, und öffnet damit eine Debatte, die viele für abgeschlossen hielten. Zwischen den Völkern und Institutionen besteht längst wieder eine dichte Verflechtung, doch die Frage bleibt, ob Pragmatismus allein die Wunden einer politischen Scheidung heilen kann.
Zehn Jahre nach dem Brexit verdichten sich die Zeichen einer Annäherung zwischen London und Brüssel. Aktivisten marschierten symbolisch von Liverpool nach Brüssel, um gegen die Trennung zu protestieren – und nun gibt der neue Premierminister Andy Burnham ihrer Haltung politisches Gewicht. Seine Aussage, der Brexit habe mehr geschadet als genutzt und alle Optionen lägen auf dem Tisch, hat Spekulationen über eine mögliche Rückkehr des Landes in die Union neu entfacht.
Die Grundlagen für engere Zusammenarbeit sind bereits gelegt. Ein über 1.200 Seiten starkes Handels- und Kooperationsabkommen regelt Bereiche von Fischerei bis Luftverkehr. Seit 2024 nimmt Großbritannien wieder am Copernicus-Programm teil, britische Wissenschaftler können erneut Horizon-Fördergelder beantragen, und die Rückkehr zum Erasmus-Programm bedeutet für viele junge Menschen eine spürbare Erleichterung.
Dennoch betont EU-Parlamentarier David McAllister die Grenzen dieser Partnerschaft: Wer die EU verlässt, kann nicht dieselben Vorteile genießen wie ein Mitglied. Visa, Zollformalitäten und administrative Hürden belasten den Alltag von Reisenden und Händlern gleichermaßen. Wie viel des wirtschaftlichen Schadens dem Brexit, wie viel der Pandemie oder den Energiepreisen zuzuschreiben ist, bleibt schwer zu trennen.
Die EU-Kommission reagierte zurückhaltend: Großbritannien sei ein wertvoller Partner, und man sei offen für Weiterentwicklungen – doch Sprecherin Paola Pinho machte klar, dass niemand die Zukunft vorhersagen könne. Ein Gipfel im November soll neue Kooperationsfelder in Verteidigung und Geheimdienstarbeit ausloten. Als wahrscheinlichstes Ergebnis gilt nicht die volle Mitgliedschaft, sondern ein Modell assoziierter Partnerschaft – eine Zwischenlösung, die tiefere Bindung ermöglicht, ohne die politische Frage der Rückkehr zu beantworten.
Zehn Jahre nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union mehren sich die Signale einer Annäherung. Im Sommer marschierten Aktivisten wie Ceira Sergeant von Liverpool nach Brüssel, um gegen die Trennung zu protestieren und symbolisch ein Buch aus ihrer Heimat den EU-Abgeordneten zu übergeben. Jetzt, da der neue britische Premierminister Andy Burnham das Amt antritt, werden die Gespräche intensiver. Seine jüngste Aussage, dass "der Brexit mehr geschadet als genutzt" habe und alle Optionen auf dem Tisch lägen, hat Spekulationen über eine mögliche Rückkehr des Landes in die Union ausgelöst.
Die Grundlagen für eine engere Zusammenarbeit sind bereits gelegt. Ein Handels- und Kooperationsabkommen von über 1.200 Seiten regelt mittlerweile die Beziehungen in Bereichen wie Handel, Fischerei, Strafverfolgung und Luftverkehr. David McAllister, ein britischer Abgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Außenpolitik im EU-Parlament, der das Abkommen mitverhandelt hat, beschreibt es als eines der umfangreichsten, das die EU je ausgehandelt hat. Über die Jahre hinweg haben sich weitere Kooperationsbereiche entwickelt: Seit 2024 nimmt Großbritannien wieder am Copernicus-Programm teil, das Zugang zu Wetter- und Klimadaten bietet. Britische Wissenschaftler können sich erneut um Forschungsgelder aus dem Horizon-Programm bewerben. Besonders für junge Menschen war die Rückkehr zum Erasmus-Austauschprogramm ein wichtiger Schritt, da der Brexit für Studierende erhebliche finanzielle und praktische Hürden geschaffen hatte.
Doch McAllister betont auch die Grenzen dieser Zusammenarbeit deutlich: "Ein Land, das die EU verlässt, kann nicht die gleichen Vorteile genießen, wie ein Land, das Mitglied der europäischen Union ist." Die größten praktischen Hürden bleiben bestehen. EU-Bürger benötigen nun Visa oder Reisegenehmigungen für die Einreise nach Großbritannien und umgekehrt. Wer Waren in die EU exportieren möchte, muss sich mit Zollformularen, Einfuhrumsatzsteuer und Lieferantenerklärungen auseinandersetzen. Diese administrativen und rechtlichen Barrieren haben den Handel und die Mobilität erheblich erschwert.
Die wirtschaftlichen Folgen des Austritts sind schwer zu isolieren. Zehn Jahre später ist unklar, inwieweit wirtschaftliche Belastungen auf den Brexit selbst, die Coronapandemie, steigende Energiepreise oder andere Faktoren zurückzuführen sind. Dennoch hat Burnhams Aussage, dass alle Optionen zur Debatte stehen, Diskussionen über eine mögliche Rückkehr entfacht. Ein Sprecher der EU-Kommission reagierte gemessen: Großbritannien sei ein enger und wertvoller Partner, und die EU sei offen für Vorschläge zur Weiterentwicklung der Beziehungen. Die Kommissionssprecherin Paola Pinho machte jedoch klar, dass niemand die Zukunft vorhersagen könne: "Wir haben keine Glaskugel auf dem Tisch."
Im November findet ein zweiter EU-UK-Gipfel statt, bei dem neue Kooperationsbereiche erörtert werden sollen, insbesondere in den Bereichen Verteidigung, Geheimdienstarbeit und Aufrüstung im Kontext der Ukraine-Krise. Großbritannien bleibt in der NATO aktiv und wird in diesen Fragen als unverzichtbarer Partner betrachtet. Allerdings deutet sich an, dass eine vollständige Rückkehr zur Mitgliedschaft unwahrscheinlich ist. Stattdessen könnte ein neues Modell entstehen: die assoziierte Mitgliedschaft, ein Status, den die EU bereits mit anderen Ländern wie Kanada praktiziert. Für Großbritannien könnte dies eine Zwischenlösung darstellen, die tiefere Zusammenarbeit ermöglicht, ohne die volle Mitgliedschaft wiederherzustellen.
Citações Notáveis
Ein Land, das die EU verlässt, kann nicht die gleichen Vorteile genießen, wie ein Land, das Mitglied der europäischen Union ist— David McAllister, Vorsitzender des Ausschusses für Außenpolitik im EU-Parlament
Wir haben keine Glaskugel auf dem Tisch— Paola Pinho, EU-Sprecherin, zur Frage einer möglichen zukünftigen Rückkehr Großbritanniens