Die Bundesrepublik steht offenbar davor, zur Hälfte Eigentümerin jenes Konzerns zu werden, der Leopard-Panzer und Boxer-Fahrzeuge baut. Wer Waffen und Schutz für ein Land herstellt, berührt zugleich die Frage, wem dessen Schlüsseltechnologien gehören und wer über sie entscheidet. Die Familien, die den Betrieb über Jahre trugen, suchen nach einem Ausweg aus ihrer Beteiligung, und der Staat sucht nach einem Weg, Einfluss zu sichern, ohne den Preis zu überdehnen. Noch ist vieles ungesagt, denn der Preis bleibt im Nebel, und die Unterschrift steht erst aus.
Bund einigt sich mit Eigentümerfamilien auf Einstieg bei Panzerbauer KNDS
Der Bund übernimmt alle Anteile der Eigentümerfamilien
Der Bund kauft also die gesamte Hälfte der Familien. Warum ist das mehr als ein Geschäft?
Weil KNDS Leopard 2 und Boxer baut und die Bundeswehr der größte Kunde ist. Die Regierung spricht von Schutz verteidigungsindustrieller Schlüsseltechnologie.
Und die 50 Prozent?
Frankreich hält ebenfalls 50 Prozent. Der Bund will auf Augenhöhe mit dem Partner stehen.
Wichtig: Bestätigt ist das alles nicht offiziell. Es stammt aus Regierungskreisen, das Ministerium wollte die Einigung nicht bestätigen, KNDS und die Familien schweigen.
Was weiß man zum Preis?
Nur, dass er unter dem liegt, was geplant war. Im Juni bewilligte der Haushaltsausschuss 7,2 Milliarden Euro für 40 Prozent.
Eine konkrete Summe nennt keine Quelle. „Weniger als geplant“ stammt aus einer Unterrichtung, die Reuters vorliegt. Ob das wirklich billiger ist, bleibt offen, weil nun 50 statt 40 Prozent gekauft werden.
Und der Börsengang?
Beide Staaten wollen ihre Anteile um je zehn Prozent abschmelzen. Der Bund könnte so bei gutem Kurs seine Beteiligung verringern.
Ein Zeitplan dafür ist nicht genannt. Das bleibt eine Absicht.
Il Polso
- Die Bundesregierung will 50 Prozent an KNDS übernehmen und damit auf Augenhöhe mit Frankreich gehen.
- Der Kaufpreis bleibt unklar, doch er soll unter den 7,2 Milliarden Euro liegen, die der Haushaltsausschuss für 40 Prozent bewilligt hatte.
- Die Familien hatten zuvor vergeblich einen Börsengang versucht, und die Verkaufspläne an ausländische Investoren zerschlugen sich.
- Ein Vertrag soll im November unterschriftsreif sein, während ein Börsengang als spätere Option offen bleibt.
Die Bundesrepublik steht offenbar davor, zur Hälfte Eigentümerin jenes Konzerns zu werden, der Leopard-Panzer und Boxer-Fahrzeuge baut. Wer Waffen und Schutz für ein Land herstellt, berührt zugleich die Frage, wem dessen Schlüsseltechnologien gehören und wer über sie entscheidet. Die Familien, die den Betrieb über Jahre trugen, suchen nach einem Ausweg aus ihrer Beteiligung, und der Staat sucht nach einem Weg, Einfluss zu sichern, ohne den Preis zu überdehnen. Noch ist vieles ungesagt, denn der Preis bleibt im Nebel, und die Unterschrift steht erst aus.
Die Bundesregierung hat sich, so berichten Regierungskreise, mit den Eigentümerfamilien des Münchner Panzerbauers KNDS grundsätzlich auf einen Einstieg geeinigt. Bestätigt ist das bislang nicht: Weder das Wirtschaftsministerium noch das Unternehmen oder die Familien haben sich geäußert. Der Bund soll alle Anteile der bisherigen Eigentümer übernehmen, also 50 Prozent, und damit gleichauf mit dem französischen Staat stehen.
Unklar bleibt der Preis. Aus einer Unterrichtung für den Haushaltsausschuss geht hervor, dass er niedriger ausfallen soll als die 7,2 Milliarden Euro, die für 40 Prozent bewilligt worden waren. Die Familien sollen einen Paketzuschlag und einen Anteil an der Dividende 2026 erhalten.
Die Familien versuchen seit Langem, aus ihrer Beteiligung auszusteigen. Ein Börsengang wurde verschoben und schließlich abgesagt, auch ein Verkauf an ausländische Investoren kam nicht zustande. Die Regierung betont, dass die Technologie im Panzerbau für die Sicherheit des Landes zentral ist, und die Bundeswehr ist der größte Kunde des Konzerns. Ein Börsengang bleibt dennhoch eine Option, da beide Staaten ihre Anteile um je zehn Prozent verringern wollen. Ob der Vertrag im November tatsächlich unterschrieben wird und zu welchem Preis, entscheiden die kommenden Wochen.
Die Bundesregierung hat sich mit den Eigentümerfamilien des Münchner Panzerbauers KNDS grundsätzlich auf einen Einstieg des Bundes geeinigt. Das erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus Regierungskreisen. Das Handelsblatt hatte zuerst darüber berichtet. Bestätigt hat die Einigung bislang weder das Bundeswirtschaftsministerium noch KNDS oder die Familien selbst, beide Seiten äußerten sich nicht.
Der Bund soll demnach 50 Prozent an dem deutsch-französischen Unternehmen übernehmen, also alle Anteile der bisherigen Eigentümer. Die Familien Braunbehrens und Bode halten sie über die Wegmann-Holding. Die anderen 50 Prozent liegen beim französischen Staat. Mit einer Beteiligung in gleicher Höhe wolle man auf Augenhöhe mit dem Partner stehen, heißt es aus Regierungskreisen. Details zur Einigung nannte man aus Gründen der Vertraulichkeit nicht. Unterschriftsreif soll der Vertrag noch im November sein.
Offen ist, was der Bund zahlt. Aus einer Unterrichtung für den Haushaltsausschuss des Bundestages, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, geht lediglich hervor, dass der Preis niedriger ausfallen wird als ursprünglich geplant. Der Ausschuss hatte im Juni den Kauf von 40 Prozent für 7,2 Milliarden Euro bewilligt. Nun sollen es 50 Prozent werden, bei offenbar geringerem Preis. Die Familien sollen einen Paketzuschlag erhalten haben sowie einen Anteil an der Dividende für 2026, die der Bund einstreicht.
Die Familien versuchen schon länger, ihre Anteile loszuwerden. Zuerst setzten sie auf einen Börsengang, doch die Pläne wurden zunächst verschoben und im Herbst ganz abgesagt. Zeitweise liebäugelten sie auch mit einem Verkauf an ausländische Investoren, darunter das tschechische Rüstungsunternehmen Czechoslovak Group und der US-Finanzinvestor Warburg Pincus.
Das Wirtschaftsministerium wollte die Einigung nicht bestätigen, betonte aber die Bedeutung des Herstellers von „Leopard 2“ und „Boxer“ für die Sicherheitsinteressen des Landes. Mit dem Einstieg wolle die Regierung verteidigungsindustrielle Schlüsseltechnologie im Panzerbau schützen. Die Bundeswehr ist der größte Kunde von KNDS.
An einem Börsengang hält die Regierung trotzdem fest, und auch KNDS selbst drängt auf eine rasche Umsetzung. Mit Frankreich sei vereinbart, die jeweiligen Beteiligungen um zehn Prozent zu verringern. Für den Bund wäre das eine Möglichkeit, seinen Anteil bei günstigem Aktienkurs zu senken.
KNDS entstand 2015 aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und setzte im Geschäftsjahr 2025 4,4 Milliarden Euro um. Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale liegt in München. In Kassel betreibt KNDS drei Produktionsstandorte und einen Logistikstandort. Ob der Vertrag im November tatsächlich unterzeichnet wird und zu welchem Preis, ist die Frage der kommenden Wochen.
Citazioni salienti
Mit einer Beteiligung von 50 Prozent wolle man auf Augenhöhe mit dem französischen Partner stehen.— Regierungskreise, laut ARD-Hauptstadtstudio