Brasiliens Justiz sorgt für Skandal: TV-Debatte vor Lula-Bolsonaro-Wahl abgesagt

Richterliche Übergriffigkeit auf dem Recht der Bürger
Medienverbände kritisieren die Justizentscheidungen, die zur Absage der Debatte führten.
Mark

Was genau hat das Wahlgericht getan, als Lula sagte, er komme nicht?

Mimi

Es hat Globo verboten, seinen leeren Stuhl zu zeigen oder die anderen Kandidaten Fragen an ihn richten zu lassen. Das sollte ihn schützen.

Luke

Aber wer hat das Gericht gebeten, das zu tun?

Mimi

Unterstützer von Lula haben einen Antrag gestellt. Das Gericht hat dann entschieden.

Mark

Und dann kam noch etwas anderes?

Mimi

Ja, ein Richter des Obersten Gerichtshofs hat angeordnet, dass ein nicht eingeladener Kandidat zur Debatte zugelassen werden muss.

Luke

Auf wessen Antrag?

Mimi

Das wird in der Berichterstattung nicht gesagt.

Mark

Warum hat Bolsonaro sich dann zurückgezogen?

Mimi

Er sagte, das sei Zensur. Und Globo sagte dann die ganze Debatte ab.

Luke

Haben die Gerichte das koordiniert, oder war das Zufall?

Mimi

Das ist unklar. Die Medienverbände sprechen von Übergriffigkeit, aber ob es ein Plan war, wissen wir nicht.

Mark

Was hat Lula dann gemacht?

Mimi

Er ist in einen Podcast gegangen und hat Bolsonaro als unqualifiziert kritisiert.

Luke

Hat er erklärt, warum er nicht zur Debatte wollte?

Mimi

Nein, das steht nicht in der Berichterstattung.

  • Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag
  • Wahlgericht untersagte, Lulas leeren Platz zu zeigen oder Fragen an ihn zu richten
  • Oberster Gerichtshof ordnete an, einen nicht eingeladenen Kandidaten zuzulassen
  • Globo sagte die gesamte Debatte ab
  • Lula (80) und Flávio Bolsonaro (45) liegen in Umfragen eng beieinander

Lula kündigte an, nicht teilzunehmen; das Wahlgericht untersagte dann, seinen leeren Platz zu zeigen oder Fragen an ihn zu richten. Ein Oberster-Gerichtshof-Richter ordnete an, einen nicht eingeladenen Kandidaten zuzulassen; Bolsonaro zog sich darauf zurück und sprach von Zensur.

Zwei Tage vor der brasilianischen Präsidentschaftswahl zieht sich der TV-Sender Globo aus einer geplanten Debatte zurück, nachdem Gerichte kurzfristig die Regeln ändern. Medienverbände sprechen von richterlicher Übergriffigkeit.

Zwei Tage vor der brasilianischen Präsidentschaftswahl hat sich der Fernsehsender Globo aus einer geplanten Debatte zurückgezogen – nicht wegen mangelnden Interesses der Kandidaten, sondern weil Gerichte in letzter Minute die Spielregeln umschrieben. Was folgte, war ein Schachzug, der Medienverbände zum Protest trieb und die Frage aufwarf, wer in einer Demokratie eigentlich über Wahldiskussionen entscheidet.

Die Geschichte beginnt mit einer Absage. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kündigte an, nicht an der für Donnerstagabend geplanten Debatte teilzunehmen. Das hätte ein Problem sein können – ein leerer Stuhl auf dem Bildschirm, während andere Kandidaten sprechen. Aber statt die Debatte einfach mit weniger Teilnehmern durchzuführen, griff das Wahlgericht ein. Wenige Stunden vor der Sendung untersagte es Globo, Lulas Platz leer zu zeigen oder den anderen Kandidaten zu erlauben, Fragen an den abwesenden Präsidenten zu richten. Die Begründung: Das würde den Amtsinhaber benachteiligen.

Dann kam der zweite Schlag. Ein Richter des Obersten Gerichtshofs ordnete an, dass Renan Santos von der neuen Missao-Partei zur Debatte zugelassen werden müsse – obwohl er ursprünglich nicht eingeladen worden war. Für Flávio Bolsonaro, Lulas Hauptkonkurrent und Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, war das der Punkt, an dem er sich ebenfalls zurückzog. Er sprach von Zensur. Damit war die Debatte faktisch gescheitert, bevor sie begonnen hatte. Globo sagte die gesamte Veranstaltung ab und verwies auf »rechtliche Unsicherheit« und »unangemessene Einmischung«.

Drei brasilianische Medienverbände reagierten mit scharfer Kritik. Sie sprachen von »richterlicher Übergriffigkeit« und beklagten, dass die Justiz »auf dem Recht der Bürger herumgetrampelt« habe, die Vorschläge der Kandidaten zu hören. Die Zeitung Folha de S. Paulo nannte es einen »verzweifelten Versuch, den Amtsinhaber zu begünstigen«. Die Vorwürfe waren klar: Nicht die Kandidaten, sondern die Gerichte hatten die Debatte sabotiert.

Lula wich auf ein anderes Format aus. Er trat in einem Podcast auf und kritisierte Bolsonaro scharf. Der 80-jährige Präsident sagte, er sehe keinen Sinn darin, mit jemandem zu debattieren, der so »unqualifiziert« sei wie Flávio Bolsonaro, der 45 Jahre alt ist und seit 2019 als Senator tätig ist. Die Wortwahl war deutlich – nicht eine Frage der Regeln, sondern der Würdigkeit.

Die Wahlen stehen unter Druck. Umfragen zeigen Lula und Bolsonaro eng beieinander. Sollte am Sonntag niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten, folgt am 25. Oktober eine Stichwahl. Lula bewirbt sich um eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit.

Zusätzliche Spannung kam von außen. Die USA kündigten an, ihre konsularischen Dienste in Brasilien wegen »Sicherheitsbedenken« auszusetzen. Die brasilianische Polizei erklärte nach Durchsuchungen wegen möglicher Bedrohungen gegen US-Einrichtungen, dass bislang keine Belege für die gemeldeten Risiken gefunden worden seien. US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, er verfolge die Wahl »sehr aufmerksam« – eine Bemerkung, die Lula vorher mehrfach aufgefordert hatte zu unterlassen. Der Präsident hatte Trump im Wahlkampf wiederholt gebeten, sich nicht in die brasilianische Wahl einzumischen.

Was bleibt, ist eine Wahl, die von Justizentscheidungen geprägt ist, statt von freier Debatte. Ob das den Ausgang beeinflusst, wird sich am Sonntag zeigen.

Richterliche Übergriffigkeit auf dem Recht der Bürger herumgetrampelt
— Drei brasilianische Medienverbände
Lula sehe keinen Sinn darin, mit jemandem zu debattieren, der so unqualifiziert sei wie Flávio Bolsonaro
— Lula in einem Podcast
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