Lula präsentiert sich als Staatsmann mit Erfolgen bei Sozialprogrammen und Amazonas-Schutz, während Flávio Bolsonaro auf Sicherheit und das Erbe seines inhaftierten Vaters setzt. 40-50 Prozent der Wähler lehnen beide Kandidaten ab und sehnen sich nach neuen Gesichtern, doch es gibt keine aussichtsreiche Alternative zum etablierten Zweikampf.
Brasilien wählt: Lula gegen Bolsonaros Sohn in polarisiertem Duell
Brasilien passt in niemandes Hinterhof
Warum ist diese Wahl für die USA so wichtig? Es geht doch um Brasilien.
Weil Brasilien die größte Wirtschaft Lateinamerikas ist. Wenn Flávio gewinnt, rückt die ganze Region näher an Trump heran. Das bedeutet mehr Einfluss auf Rohstoffe, auf Drogenpolitik, auf alles.
Aber wie sicher ist das wirklich? Die Umfragen zeigen, dass 40 bis 50 Prozent beide Kandidaten ablehnen. Das ist eine Menge Unzufriedenheit.
Ja, aber es gibt keine Alternative. Die Wähler sind gefangen zwischen zwei Namen, die sie nicht wollen.
Lula spricht von seinen Erfolgen – weniger Entwaldung, Sozialprogramme. Kann das reichen?
Das ist sein Argument. Aber für jemanden wie Santos Souza, den Fahrradkurier, zählt das wenig, wenn die Milch teurer wird und sein Gehalt nicht mitkommt.
Moment – wie viel teurer ist die Milch wirklich? Der Artikel sagt zwei auf sieben Reals, aber über welchen Zeitraum? Das ist ein großer Sprung, aber ohne Kontext ist es schwer zu bewerten.
Und Bolsonaros Sohn – hat er wirklich eine Chance?
Das ist die große Frage. Er hat das Erbe seines Vaters, aber nicht dessen Charisma. Und sein Vater sitzt im Hausarrest wegen eines versuchten Staatsstreichs.
Genau. Das ist ein Problem für ihn. Aber die Sicherheitsfrage ist zentral im Wahlkampf, und da hat er eine klare Position.
Also ein echtes Duell.
Ein echtes Duell, aber mit einer ganzen Menge Menschen, die lieber gar nicht wählen würden.
Il Polso
- 158 Millionen Brasilianer wählen heute ein neues Staatsoberhaupt
- Lula ist 80 Jahre alt und strebt eine vierte Amtszeit an
- Jair Bolsonaro wurde zu 27 Jahren Haft wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt
- 40 bis 50 Prozent der Wähler lehnen beide Kandidaten ab
Lula präsentiert sich als Staatsmann mit Erfolgen bei Sozialprogrammen und Amazonas-Schutz, während Flávio Bolsonaro auf Sicherheit und das Erbe seines inhaftierten Vaters setzt. 40-50 Prozent der Wähler lehnen beide Kandidaten ab und sehnen sich nach neuen Gesichtern, doch es gibt keine aussichtsreiche Alternative zum etablierten Zweikampf.
Brasilien wählt heute ein neues Staatsoberhaupt. Der 80-jährige Lula tritt gegen Flávio Bolsonaro an, den Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten, in einem Duell mit globalen Auswirkungen.
Brasilien wählt heute. Wie vor vier Jahren heißt das Duell wieder: Lula gegen einen Bolsonaro. Diesmal ist es nicht der Ex-Präsident selbst, sondern sein ältester Sohn Flávio, der gegen den 80-jährigen Linkspolitiker antreten wird. Etwa 158 Millionen Brasilianer und Brasilianerinnen werden an die Urnen gehen, um nicht nur ein neues Staatsoberhaupt zu wählen, sondern auch über die Gouverneure und das Parlament zu entscheiden. Es ist eine Wahl mit Folgen, die weit über Brasiliens Grenzen hinausreichen.
Lula hat sich in den vergangenen Wochen als Staatsmann alter Schule präsentiert. Bei seinem Auftritt vor der UN-Generalversammlung in New York sprach er von Sozialprogrammen, die Millionen Menschen aus Hunger und Armut geholt haben, von wachsenden Exporten und deutlich weniger Entwaldung im Amazonas. Er warnte vor einer Rückkehr in eine "Vergangenheit der Ausgrenzung" und richtete eine klare Botschaft an die USA: "Brasilien passt in niemandes Hinterhof." Es war eine Anspielung auf Washingtons erneuertes Interesse an Lateinamerika und dessen Rohstoffen – und eine direkte Reaktion auf Donald Trump, der unmittelbar nach ihm das Rednerpult betrat.
Flávio Bolsonaro dagegen setzt auf andere Themen. Tausende Kilometer entfernt, im Norden des Landes, hielt er ein gerahmtes Porträt seines Vaters in die Höhe und rief einer in Grün und Gelb gekleideten Menge zu, dass Brasilien jemanden brauche, der sich "diesem verrotteten System entgegenstellt". Sein Vater, der Ex-Präsident Jair Bolsonaro, sitzt derzeit unter Hausarrest und wurde zu 27 Jahren Haft wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt – doch für die Bolsonaro-Familie und ihre Anhänger ist er ein politischer Gefangener. Der Sohn setzt im Wahlkampf auf klassische rechte Themen: Gott, Familie, Vaterland und eine harte Hand gegen Kriminelle. Er verspricht, den "Narcoterroristen den Krieg zu erklären", wobei er sich dabei auf die Unterstützung der USA verlassen kann, die Brasiliens Drogenbanden zu "Terror-Organisationen" erklärt haben. Doch während sein Vater Charisma ausstrahlte, fehlt es dem Sohn daran.
Die Wahl hat eine geopolitische Dimension, die Lateinamerika insgesamt betrifft. In den meisten Ländern der Region – von Argentinien und Chile über Bolivien, Ecuador und Kolumbien bis El Salvador – regieren inzwischen Verbündete Washingtons. Brasilien, die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und die viertgrößte Demokratie der Welt, könnte sich diesem pro-Trump-Block anschließen oder als Gegengewicht bestehen bleiben. David Magalhães, ein Forscher zur neuen globalen Rechten in Brasilien, warnt vor einer "Donroe-Doktrin" – eine Anspielung auf Trumps Nationale Sicherheitsstrategie, die Lateinamerika wieder zum "Hinterhof der USA" erklärt. Im globalen Wettstreit mit China fordere Trump die Vorherrschaft über die Region und ihre strategischen Rohstoffe ein. Magalhães sagt, dass Brasiliens Rechte bereit sei, Trumps Unterstützung im Kampf gegen die Linke zu erkaufen.
Doch viele Brasilianer sehen die politische Polarisierung mit Skepsis. Je nach Umfrage lehnen 40 bis 50 Prozent der Wähler sowohl Lula als auch Flávio Bolsonaro ab. Sie sehnen sich nach neuen Gesichtern und neuen Ideen. Cauã Santos Souza, ein 21-jähriger Fahrradkurier, spricht von Themen, die für ihn zählen: Bildung, Wirtschaft, angemessene Gehälter. "Die Preise müssten etwas sinken", sagt er. "Denn selbst wenn dein Gehalt steigt – alles verteuert sich." Ein Liter Milch kostete früher zwei brasilianische Reals, heute sieben. Für Santos Souza ist die Wahl zwischen zwei etablierten Namen frustrierend. Wenn es keine Pflicht wäre, würde er gar nicht wählen gehen. Doch es gibt keine aussichtsreiche Alternative, und so läuft es wieder auf den alten Zweikampf hinaus – ein Duell, das Brasilien und die Welt spaltet.
Citazioni salienti
Brasilien brauche jemanden, der sich diesem verrotteten System entgegenstellt— Flávio Bolsonaro im Wahlkampf
Wenn es keine Pflicht wäre, würde ich gar nicht wählen gehen— Cauã Santos Souza, 21-jähriger Fahrradkurier