Flávio Bolsonaro, Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten, geht als klarer Favorit in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Lula da Silva. Bolsonaros liberale Partei erzielte breite Mehrheiten im Senat, Abgeordnetenhaus und bei Gouverneurswahlen; Lulas Arbeiterpartei erlitt große Verluste.
Brasilien rückt nach rechts: Bolsonaro-Sohn zieht in Stichwahl ein
Das ist das Ende der Ära der linken Arbeiterpartei
Warum ist dieser Wahlausgang so überraschend? Lula war doch der Amtsinhaber.
Überraschend ist vielleicht das falsche Wort. Lula hatte gehofft, bereits in der ersten Runde zu gewinnen. Stattdessen kam Flávio Bolsonaro vorne heraus. Das zeigt, wie sehr die Unzufriedenheit über Lebenshaltungskosten und Kriminalität die Wähler bewegt.
Aber wir sollten präzise sein: Wir wissen, dass Flávio vorne lag. Wie groß der Vorsprung war, wird aus dem Material nicht ganz klar. Und ob die historische Regel – dass der Erste-Runde-Sieger auch die Stichwahl gewinnt – wirklich so zuverlässig ist, wird auch nicht belegt.
Was bedeutet dieser Rechtsruck für die Region?
Wenn Bolsonaro gewinnt, schließt sich Brasilien einem Trend an. Argentinien, Kolumbien – überall in Lateinamerika gewinnen rechtsgerichtete Kandidaten. Das würde Brasilien näher an den Trump-Block heranrücken.
Das ist eine plausible Interpretation, aber wir sollten vorsichtig sein: Das Material sagt, dass rechtsgerichtete Kandidaten gewonnen haben, aber es erklärt nicht, ob das ein koordinierter Block ist oder einfach parallele Entwicklungen.
Was ist mit Flávios Vater? Der wurde wegen eines Putschversuches verurteilt?
Ja, Jair Bolsonaro wurde verurteilt. Und Mauricio Rizzo fürchtet, dass Flávio seinen Vater begnadigen könnte, wenn er an die Macht kommt.
Das ist eine Befürchtung, die Rizzo äußert – nicht etwas, das Flávio versprochen hat. Wir müssen das unterscheiden zwischen dem, was er gesagt hat, und dem, was andere von ihm befürchten.
O Pulso
- Flávio Bolsonaro, Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, geht als klarer Favorit in die Stichwahl
- Bolsonaros liberale Partei erzielte breite Mehrheiten im Senat, Abgeordnetenhaus und bei Gouverneurswahlen
- Acht von zehn Brasilianern sind überschuldet; Lebenshaltungskosten und Kriminalität waren zentrale Wahlkampfthemen
- Die Stichwahl findet in drei Wochen statt; historisch gewinnt der Erste-Runde-Sieger auch die Stichwahl
Flávio Bolsonaro, Sohn des verurteilten Ex-Präsidenten, geht als klarer Favorit in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Lula da Silva. Bolsonaros liberale Partei erzielte breite Mehrheiten im Senat, Abgeordnetenhaus und bei Gouverneurswahlen; Lulas Arbeiterpartei erlitt große Verluste.
Bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl muss eine Stichwahl entscheiden: Flávio Bolsonaro liegt vorne und profitiert von Unzufriedenheit über Lebenshaltungskosten und Kriminalität. Das Land rückt deutlich nach rechts.
Die Trommeln auf dem Platz São Salvador in Rio de Janeiro verstummten, bevor sie richtig zu spielen begannen. Dort, wo Anhänger von Lula da Silva traditionell die Wahlergebnisse verfolgen, herrschte am Wahlabend Niedergeschlagenheit statt Jubel. Der amtierende Präsident hatte weniger Stimmen erhalten als sein Herausforderer Flávio Bolsonaro, und es war klar, dass die Entscheidung über Brasiliens Zukunft erst in drei Wochen in einer Stichwahl fallen würde.
Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des wegen eines Putschversuches verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, geht als deutlicher Favorit in diese Stichwahl. Die erste Wahlrunde hatte bereits ein klares Bild gezeichnet: Bolsonaros liberale Partei erzielte breite Mehrheiten im Senat, im Abgeordnetenhaus und bei den Gouverneurswahlen. Lulas Arbeiterpartei erlitt massive Verluste. Unter den Gewinnern waren auch weitere Familienmitglieder der Bolsonaros – Michelle, Carlos und Jair Renan zogen ebenfalls in ihre Ämter ein. Brasilien war bereits nach rechts gerückt, lange bevor die endgültige Entscheidung fiel.
Lula versuchte, Gelassenheit zu bewahren, als er kurz nach 21 Uhr vor die Kameras trat. Er habe gehofft, die Wahl bereits in der ersten Runde zu gewinnen, sagte er. Doch hinter ihm applaudierten sichtlich niedergeschlagene Politiker, die ihre eigenen Wahlen bereits verloren hatten. Es war ein Auftritt vor einer Kulisse von Verlierern. Flávio Bolsonaro hingegen trat selbstbewusst auf. Per Livestream verkündete er vor einer Menschenmenge in Brasília: Das sei das Ende der Ära der linken Arbeiterpartei. Das Vermächtnis der Linken, so seine Worte, seien Rekorde bei ermordeten Frauen, verschuldeten Brasilianern, hohen Steuern und Hoffnungslosigkeit.
Die Wähler hatten andere Sorgen im Kopf. Obwohl Brasiliens Wirtschaft wächst, steigen die Lebenshaltungskosten kontinuierlich. Acht von zehn Brasilianern sind heute überschuldet. Dieses Thema dominierte den Wahlkampf ebenso wie die steigende Kriminalität. Viviane Oliveira, eine Kleinunternehmerin, sprach aus, was viele empfanden: Sie leide unter der linken Regierung, sagte sie. Das Volk sei aufgewacht und bereit zum Kampf. Mauricio Rizzo dagegen warnte vor einem Bolsonaro-Sieg. Flávio würde seinen Vater begnadigen und die Institutionen unterwerfen, fürchtete er. Simone Lourenco machte sich eine andere Sorge: Selbst wenn Lula die Stichwahl gewinne, sei der Kongress noch weiter nach rechts gerückt.
Historisch gilt in Brasilien eine einfache Regel: Wer in der ersten Runde vorne liegt, gewinnt auch die Stichwahl. Ein Sieg Bolsonaros würde bedeuten, dass Lateinamerikas größte Demokratie und Volkswirtschaft sich dem wachsenden Block der Trump-freundlichen Regierungen in der Region anschließt. Von Argentinien bis Kolumbien haben rechtsgerichtete Kandidaten in den letzten Jahren die Wahlen gewonnen. Brasilien könnte der nächste sein.
Citações Notáveis
Das ist das Ende der Ära der linken Arbeiterpartei, es ist besiegelt.— Flávio Bolsonaro
Flávio Bolsonaro darf auf keinen Fall zurückkehren, er würde seinen Vater begnadigen, die Institutionen unterwerfen.— Mauricio Rizzo, Wähler