Badenoch will Tories mit Mut und Härte retten

Die Menschen halten uns für den Bösewicht, aber ohne uns würde alles den Bach runtergehen
Badenoch verteidigt ihre Partei gegen das Imageproblem, das von früheren Führungspersonen stammt.
Mark

Warum ist Badenoch persönlich beliebter geworden, wenn ihre Partei in den Umfragen stagniert?

Mimi

Sie ist eine starke Persönlichkeit, die sich von ihren Vorgängern unterscheidet. Die Menschen sehen in ihr eine Kämpferin. Das hilft ihr persönlich, aber es reicht nicht aus, um die ganze Partei zu retten, die unter Jahren von Skandalen und Fehlern leidet.

Luke

Aber wie viel von diesem persönlichen Anstieg ist wirklich messbar? Wir wissen, dass die Partei von 16 auf 19 Prozent gestiegen ist – das könnte auch einfach natürliche Fluktuation sein. Und wir wissen nicht, wie viel davon Badenoch selbst zu verdanken ist.

Mark

Sie sagt, sie interessiere sich nicht für Umfragen. Ist das glaubwürdig?

Mimi

Das ist eine klassische politische Antwort. Natürlich interessiert sie sich für Umfragen. Was sie wahrscheinlich meint, ist, dass sie nicht von ihnen gelähmt werden will. Sie will langfristig denken.

Luke

Aber das ist auch ein Risiko. Wenn die Umfragen weiter fallen, wird diese Aussage schnell gegen sie verwendet. Und wir wissen nicht, wie lange ihre Parteimitglieder geduldig bleiben.

Mark

Was ist das größte Hindernis für Badenoch?

Mimi

Sie muss zeigen, dass sie nicht nur eine Kämpferin ist, sondern auch jemand, der das ganze Land regieren kann. Das bedeutet, die politische Mitte anzusprechen, nicht nur die rechte Basis.

Luke

Das ist aber auch das Dilemma: Wenn sie zu sehr zur Mitte rückt, verliert sie möglicherweise ihre Basis an Reform UK. Und wenn sie zu weit rechts bleibt, kann sie nie eine Mehrheit bekommen. Wir wissen noch nicht, ob das lösbar ist.

Mark

Kann Badenoch das Imageproblem der Partei lösen?

Mimi

Das ist die zentrale Frage. Sie muss einen Schlussstrich unter die Fehler von May und Truss ziehen. Das ist schwer, weil sie selbst Teil dieser Partei ist.

Luke

Und hier ist das Problem: Sylvester sagt, Badenoch habe das noch nicht geschafft. Aber wir wissen nicht genau, was sie konkret hätte anders machen können oder sollen. Das ist eine Charakterisierung, keine Analyse.

  • Kemi Badenoch wurde 1980 als Tochter nigerianischer Eltern in London geboren
  • Die Konservativen stiegen von 16 Prozent vor einem Jahr auf 19 Prozent
  • Badenoch wurde 2024 zur Oppositionsführerin gewählt
  • Der Parteitag findet in Birmingham statt unter dem Motto "Stärkere Wirtschaft, stärkeres Land"

Badenoch hat persönlich an Popularität gewonnen und gibt sich kämpferisch, doch ihre Partei bleibt in Umfragen schwach bei nur 19 Prozent Zustimmung. Die Konservativen planen drastische Sozialkürzungen und Finanzreformen, doch die aktuelle Regierung könnte diese Vorschläge durch eigene Reformen überflüssig machen.

Die britischen Konservativen unter neuer Führung von Kemi Badenoch halten ihren Parteitag in Birmingham ab. Badenoch will mit aggressivem Politikstil und Fokus auf Finanzen und Sozialkürzungen die Partei wieder aufbauen, kämpft aber gegen Imageschäden der Vorgänger.

Die britischen Konservativen treffen sich diese Woche in Birmingham zu ihrem Parteitag, und ihre neue Vorsitzende Kemi Badenoch will der Partei beweisen, dass sie noch nicht am Ende ist. Badenoch, die 1980 als Tochter nigerianischer Eltern in London geboren wurde und 2024 zur Oppositionsführerin aufstieg, hat sich einen Ruf als kämpferische Politikerin erarbeitet. Bei der ersten Parlamentssitzung unter dem neuen Premierminister Andy Burnham begrüßte sie ihn mit scheinbar freundlichen Glückwünschen, um dann nachzulegen: Sie wolle ihm nur ein paar einfache Fragen stellen und hoffe auf ebenso einfache und ernsthafte Antworten. Ihre Parteigenossen quittierten das mit Beifall.

Die Zahlen, die Badenoch geerbt hat, waren verheerend. Vor einem Jahr standen die Konservativen bei gerade einmal 16 Prozent in den Umfragen. Ein Jahr später sind es 19 Prozent – ein bescheidener Anstieg, aber immerhin ein Anstieg. Badenoch selbst hat dabei an persönlicher Popularität gewonnen. Vor einem Jahr kannte kaum jemand ihren Namen; heute erkennen die Menschen sie und sehen in ihr eine starke Frau, wie die Politikreporterin Rachel Sylvester von The Observer beobachtet. In einem BBC-Interview im Juli sagte Badenoch selbst: "Ich interessiere mich nicht für Umfragen. Sie gehen hoch, sie gehen runter, ich bleibe am Ball."

Doch Badenoch hat ein Problem, das größer ist als die Umfragewerte. Ihr politischer Stil – aggressiv, konfrontativ, manchmal regelrecht gemein – macht es ihr schwer, über ihre eigene Basis hinauszuwachsen. Sylvester sagt es deutlich: "Sie zettelt gerne Streit an und will als Kämpferin gesehen werden. Manchmal wirkt sie wirklich fies." Das ist ein Problem, wenn man irgendwann das ganze Land regieren will. "Das bedeutet auch, die politische Mitte mehr anzusprechen, und das ist aktuell ihre größte Schwäche", erklärt Sylvester. Momentan sprechen die Tories eher den rechten Rand an – und dieser Rand fühlt sich mehr zur rechtspopulistischen Partei Reform UK hingezogen.

Badenochs Strategie für den Parteitag unter dem Motto "Stärkere Wirtschaft, stärkeres Land" setzt auf klassisch konservative Themen: verantwortungsvolle Finanzpolitik, drastische Kürzungen im Sozialhaushalt, mehr Geld für Verteidigung. Kurz vor dem Parteitag schlug Badenoch drastische Kürzungen bei der Sozialhilfe für junge Menschen vor. "Wir müssen die Menschen aus dem Sozialsystem holen und in Arbeit bringen", sagte sie der BBC. "Das ist doppelt hilfreich: Wir müssen für sie keine Sozialausgaben mehr aufwenden, und sie zahlen als Arbeitnehmer endlich Steuern." Viele Kommentatoren charakterisieren das als "weniger Zuckerbrot, mehr Peitsche".

Aber hier zeigt sich ein weiteres Problem: Die Regierung von Andy Burnham plant bereits eine eigene Reform der Jugendhilfesysteme, die Badenochs Vorschläge auf lange Sicht überflüssig machen könnte. Das ist nur eines von mehreren Beispielen dafür, wie Badenoch den Tories mit ihrer aktuellen Themensetzung möglicherweise eher schadet als nutzt.

Das eigentliche Problem der Konservativen ist aber nicht die aktuelle Führung – es ist die Vergangenheit. "Die Tories sind immer noch sehr unbeliebt", sagt Sylvester. Das liegt vor allem an den vorherigen Parteivorsitzenden und Premierministern: Theresa May, die keinen Brexit-Deal mit der EU zustande brachte, oder Liz Truss, deren angekündigte Reformen die Finanzmärkte fast zum Zusammenbruch führten. "Kemi Badenoch hat noch nicht genug getan, um einen Schlussstrich zu ziehen", meint Sylvester. "Sie hat es nicht geschafft, die Partei zu entgiften, weil sie nicht in der Lage ist, mit der Vergangenheit zu brechen."

Badenoch selbst scheint sich davon nicht abschrecken zu lassen. Sie vergleicht die Konservativen mit Professor Snape aus dem Harry-Potter-Universum – dem Charakter, der lange als Bösewicht gilt, sich aber am Ende der Buchreihe als gut herausstellt. "Wir versuchen, das Richtige zu tun", sagt sie. "Die Menschen halten uns für den Bösewicht, aber ohne uns würde alles den Bach runtergehen." Am kommenden Mittwoch wird sie ihre Rede beim Parteitag halten und zeigen müssen, ob sie ihre Parteimitglieder überzeugen kann – und ob sie dem derzeit vergleichsweise beliebten Premier Burnham etwas entgegensetzen kann.

Ich interessiere mich nicht für Umfragen. Sie gehen hoch, sie gehen runter, ich bleibe am Ball
— Kemi Badenoch, BBC-Interview, Juli
Wir müssen die Menschen aus dem Sozialsystem holen und in Arbeit bringen. Das ist doppelt hilfreich: Wir müssen für sie keine Sozialausgaben mehr aufwenden, und sie zahlen als Arbeitnehmer endlich Steuern
— Kemi Badenoch, BBC-Interview
Contact Us FAQ