In einer der unwirtlichsten Landschaften der Erde – der Atacama-Wüste – vollzieht sich dieser Oktober ein stilles Wunder: Das Klimaphänomen El Niño, das andernorts Verwüstung bringt, schenkt hier 200 Pflanzenarten einen flüchtigen Moment des Lebens auf 17.000 Quadratkilometern. Dieses Paradoxon erinnert daran, dass dieselbe Kraft der Natur gleichzeitig Schönheit und Zerstörung hervorbringen kann – und dass das Staunen über das eine uns nicht blind machen darf für das Leid, das das andere verursacht.
Atacama-Wüste erblüht: El Niño verwandelt trockenste Region in Blütenmeer
In der trockensten Wüste der Erde sprießen plötzlich 200 Pflanzenarten
Warum ist es so bemerkenswert, dass es in der Atacama-Wüste regnet? Das klingt doch eigentlich normal.
Weil die Atacama die trockenste nicht-polare Wüste der Erde ist. Regen dort ist nicht normal – er ist außergewöhnlich. Manche Gegenden bekommen jahrzehntelang keinen Tropfen.
Aber wie selten ist das wirklich? Der Text sagt, El Niño tritt alle zwei bis sieben Jahre auf. Wie oft führt das zu Regen in der Atacama?
Das ist eine gute Frage. Der Text sagt nicht, wie häufig diese Blüte vorkommt. Nur dass sie jetzt passiert, weil El Niño stark genug ist.
Und eine Million Menschen fahren hin, um das zu sehen. Das ist eine große wirtschaftliche Chance für Chile, oder?
Ja, aber es ist auch ein Fenster. Die Pflanzen sind nur bis Ende November da. Dann ist wieder Schluss.
Der Text erwähnt, dass El Niño normalerweise Unheil anrichtet – Überschwemmungen, Dürren. Ist das hier nicht auch ein Problem? Bringt der Regen nicht auch Schäden mit sich?
Das ist das Paradoxe. In der Atacama ist der Regen ein Segen. Anderswo auf der Welt, besonders im Globalen Süden, ist dieser Super-El-Niño eine Katastrophe.
450.000 zusätzliche Todesfälle – wie sicher ist diese Zahl?
Das ist eine Prognose des Climate Impact Lab, nicht eine Messung. Es ist eine Schätzung für Hitzewellen bis Februar 2027. Dazu kommen noch Tote durch andere Extremwetterereignisse, die nicht in dieser Zahl enthalten sind.
Es ist eine Warnung, keine Gewissheit. Aber sie zeigt, wie asymmetrisch die Auswirkungen sind – Blüten hier, Todesfälle dort.
Und der Klimawandel? Macht er El Niño schlimmer?
Der Text sagt, dass ein Zusammenhang bisher nicht belegt war, aber neue Studien könnten das ändern. Das ist noch offen.
Le Pouls
- El Niño schwächt die Passatwinde über dem Pazifik und treibt feuchte Luftmassen in eine Wüste, die seit Jahrzehnten keinen nennenswerten Regen gesehen hat – ein meteorologisches Ereignis von seltener Präzision.
- Innerhalb weniger Wochen verwandeln sich 17.000 Quadratkilometer kahler Sandlandschaft in ein Blütenmeer aus rund 200 Pflanzenarten, die auf genau diesen Moment gewartet haben.
- Bis zu einer Million Besucher werden in die chilenischen Nationalparks Desierto Florido, Llanos de Cháyes und Pan de Azúcar erwartet – der Tourismus boomt, während das Fenster bis Ende November offen steht.
- Gleichzeitig warnen Forscher des Climate Impact Lab, dass der prognostizierte Super-El-Niño bis Februar 2027 weltweit rund 450.000 zusätzliche Todesfälle durch Hitzewellen verursachen könnte.
- Neue Forschungen deuten darauf hin, dass der Klimawandel Häufigkeit und Intensität von El-Niño-Ereignissen verstärken könnte – das botanische Wunder der Atacama steht damit im Schatten einer größeren, beunruhigenden Frage.
In einer der unwirtlichsten Landschaften der Erde – der Atacama-Wüste – vollzieht sich dieser Oktober ein stilles Wunder: Das Klimaphänomen El Niño, das andernorts Verwüstung bringt, schenkt hier 200 Pflanzenarten einen flüchtigen Moment des Lebens auf 17.000 Quadratkilometern. Dieses Paradoxon erinnert daran, dass dieselbe Kraft der Natur gleichzeitig Schönheit und Zerstörung hervorbringen kann – und dass das Staunen über das eine uns nicht blind machen darf für das Leid, das das andere verursacht.
Die Atacama-Wüste gilt als einer der lebensfeindlichsten Orte der Erde – ein Ort, an dem Regen eine Rarität ist, die sich in Jahrzehnten nicht wiederholt. Doch in diesem Oktober blüht sie. Rund 200 Pflanzenarten sind gleichzeitig auf einer Fläche von 17.000 Quadratkilometern erblüht, ausgelöst durch das Klimaphänomen El Niño, das feuchte Luftmassen ungewöhnlich weit nach Süden treibt und der ausgedörrten Küste Südamerikas Niederschläge bringt.
Aida Baldini Urrutia, Leiterin der chilenischen Forstbehörde Conaf, erläuterte, wie dieses Paradoxon funktioniert: Schwächere Passatwinde lassen warmes Wasser und Wolken nach Süden vordringen – eine Gelegenheit, auf die die Wüstenpflanzen seit Generationen warten. Sie keimen, wachsen und blühen in wenigen Wochen, bevor die Trockenheit zurückkehrt. Der Höhepunkt ist jetzt im Oktober, die Blüten sollen bis Ende November sichtbar bleiben.
Diese Aussicht zieht bereits Massen an: Die Forstbehörde erwartet bis zu einer Million Besucher in den Nationalparks der Region. Doch El Niño ist kein gutmütiges Phänomen – er bringt anderswo Überschwemmungen, Dürren und Extremwetter. Für dieses Jahr prognostizieren internationale Wetterorganisationen einen besonders starken Super-El-Niño. Forscher haben berechnet, dass die damit verbundenen Hitzewellen bis Ende Februar 2027 weltweit rund 450.000 zusätzliche Todesfälle fordern könnten, hinzu kommen Opfer von Waldbränden und Fluten.
Das Phänomen wirft zudem Fragen zum Klimawandel auf: Neue Forschungen deuten darauf hin, dass die menschengemachte Erderwärmung Häufigkeit und Intensität von El-Niño-Ereignissen beeinflussen könnte. Während die Atacama ihre seltene Pracht zeigt, bereiten sich andere Regionen der Welt auf potenziell verheerende Folgen vor.
Die Atacama-Wüste an der südamerikanischen Pazifikküste gilt als einer der lebensfeindlichsten Orte der Erde – ein Ort, an dem Regen eine Rarität ist, die sich in Jahrzehnten nicht wiederholt. Doch in diesem Oktober verwandelt sich die endlose Sandlandschaft in ein Blütenmeer. Etwa 200 verschiedene Pflanzenarten sind gleichzeitig erblüht, verteilt über eine Fläche von 17.000 Quadratkilometern. Der Grund für dieses ungewöhnliche Schauspiel ist das Klimaphänomen El Niño, das normalerweise anderswo auf der Welt Verwüstung anrichtet, hier aber ausnahmsweise Leben bringt.
Aida Baldini Urrutia, Leiterin der chilenischen Forstbehörde Conaf, erklärte gegenüber dem Sender CNN Chile, wie dieses Paradoxon möglich ist. El Niño entsteht durch schwächere Passatwinde über dem tropischen Pazifik, die dazu führen, dass warmes Wasser und Wolken ungewöhnlich weit nach Süden vordringen. Wenn diese feuchten Luftmassen auf die sonst völlig ausgetrocknete Küste Südamerikas treffen, bringen sie Niederschläge mit sich – eine Gelegenheit, auf die die Pflanzen der Wüste seit Generationen warten. Sie keimen, wachsen und blühen in wenigen Wochen, bevor die Trockenheit zurückkehrt.
Der Höhepunkt dieser Blütenpracht ist genau jetzt im Oktober zu beobachten. Nach Baldini Urrutias Einschätzung werden die Pflanzen noch bis Ende November sichtbar bleiben, bevor sie wieder in ihren Ruhezustand verfallen. Diese Aussicht hat bereits massive Auswirkungen auf den Tourismus in der Region. Die chilenische Forstbehörde rechnet damit, dass bis zum Ende des Phänomens etwa eine Million Besucher aus dem In- und Ausland in die Nationalparks Desierto Florido, Llanos de Cháyes und Pan de Azúcar strömen werden, um dieses seltene Naturschauspiel mit eigenen Augen zu sehen.
El Niño ist ein globales Phänomen, das sich alle zwei bis sieben Jahre ereignet und normalerweise neun bis zwölf Monate andauert, mit seinem Höhepunkt zwischen November und Februar. Der Name stammt von peruanischen Fischern, die den Temperaturanstieg des Meeres häufig um die Weihnachtszeit herum bemerkten – daher "El Niño", das Christkind. Während das Phänomen in der Atacama-Wüste zu diesem botanischen Wunder führt, bringt es anderswo auf der Welt oft Katastrophen mit sich: Überschwemmungen, Dürren und Extremwetterereignisse.
Für dieses Jahr haben internationale Wetterorganisationen einen besonders starken El Niño prognostiziert – einen sogenannten Super-El-Niño. Die Weltwetterorganisation warnt, dass die Länder des Globalen Südens besonders hart getroffen werden könnten. Forscher des Climate Impact Lab haben berechnet, dass die mit diesem Super-El-Niño verbundene Hitzewelle bis Ende Februar 2027 weltweit zu etwa 450.000 zusätzlichen Todesfällen führen könnte. Hinzu kommen würden die Opfer von Waldbränden, Extremregen und Fluten, die ebenfalls durch El Niño ausgelöst oder verstärkt werden. Die wirtschaftlichen Schäden könnten sich auf Billionen belaufen.
Das Phänomen wirft auch Fragen zum Klimawandel auf. Lange Zeit galt ein direkter Zusammenhang zwischen El Niño und der menschengemachten Erderwärmung als nicht nachgewiesen. Neue Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass sich dies ändern könnte – dass also der Klimawandel die Häufigkeit oder Intensität dieser Ereignisse beeinflussen könnte. Während die Atacama-Wüste in diesen Wochen ihre seltene Pracht zeigt, bereiten sich andere Regionen der Welt auf die potenziell verheerenden Folgen des Super-El-Niño vor.
Citations marquantes
Was andernorts Unheil anrichtet, begünstigt in der Atacama-Wüste das Wachstum von Pflanzen— Aida Baldini Urrutia, Leiterin der chilenischen Forstbehörde Conaf