Ärzte kämpfen um Leben von Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung in Tennessee

Christa Pike erlitt schwere Verbrennungen, Schwellungen und Blasenbildung an beiden Armen durch fehlerhaft verabreichte Giftspritze und liegt nun bewusstlos an Beatmungsgerät.
Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen
Christa Pike während der gescheiterten Hinrichtung, als Personal über eine Stunde lang versuchte, einen intravenösen Zugang zu legen.
Mark

Was genau ist bei dieser Hinrichtung schiefgelaufen?

Mimi

Das Personal konnte etwa eine Stunde lang keinen intravenösen Zugang legen. Mindestens sieben Nadeln wurden in Pikes linken Arm gestochen, eine davon verbog sich um 90 Grad. Das Gift gelangte dann offenbar ins Gewebe statt in die Venen.

Luke

Aber wie konnte das Personal das nicht bemerken? Das müsste doch sichtbar sein.

Mimi

Laut den Anwälten bemerkten sie offenbar nicht, dass das Gift ganz oder teilweise in das umliegende Gewebe statt in die Venen gelangte. Deshalb verabreichten sie eine zweite Dosis.

Mark

Und Pike überlebte beide Dosen?

Mimi

Ja. Sie liegt jetzt bewusstlos an einem Beatmungsgerät im Krankenhaus in Nashville. Beide Arme sind geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät.

Luke

Das ist medizinisch außergewöhnlich. Zwei volle Dosen Pentobarbital sollten tödlich sein. Gibt es Erklärungen dafür, warum sie überlebte?

Mimi

Die Anwälte argumentieren, dass das Gift ins Gewebe statt in die Venen gelangte, was die Wirkung verringert hätte. Aber die genauen medizinischen Gründe sind noch nicht vollständig geklärt.

Mark

Ist das der erste Fall dieser Art in Tennessee?

Mimi

Nein. Im Mai musste Tennessee bereits die Hinrichtung von Tony Carruthers abbrechen, weil sie keinen intravenösen Zugang legen konnten. Aber ihm wurde das Gift nicht verabreicht.

Luke

Also ein Muster von Problemen bei der Durchführung. Der Gouverneur hat jetzt alle Hinrichtungen bis Jahresende ausgesetzt und eine externe Untersuchung angeordnet.

Mark

Was bedeutet das für Pike?

Mimi

Unklar. Sie liegt im kritischen Zustand. Ob und unter welchen Bedingungen Tennessee versuchen könnte, das Todesurteil nochmals zu vollstrecken, ist offen.

  • Eine Hinrichtung, die in Minuten enden sollte, zog sich über eine Stunde qualvoller Nadelversuche hin – Pike weinte und klagte, ihr Arm fühle sich an, als würde er aufplatzen.
  • Das stark ätzende Pentobarbital gelangte ins Gewebe statt in die Vene und hinterließ beide Arme geschwollen, verbrannt und blasenübersät – trotzdem wurde eine zweite Dosis verabreicht.
  • Pike überlebte beide Dosen und liegt nun bewusstlos an einem Beatmungsgerät in einem Krankenhaus in Nashville – ihr Zustand gilt als kritisch.
  • Gouverneur Bill Lee setzte alle weiteren Hinrichtungen bis Jahresende aus und ordnete eine externe Untersuchung an, nachdem Tennessee bereits im Mai eine Hinrichtung hatte abbrechen müssen.
  • Amnesty International, UN-Experten und der Sprecher des UN-Generalsekretärs hatten die Hinrichtung vergeblich zu stoppen versucht – die Frage, ob das Urteil je vollstreckt werden kann, bleibt offen.

In Tennessee sollte eine staatlich angeordnete Hinrichtung vollzogen werden – stattdessen wurde sie zum Symbol für das Versagen des Systems, das sie tragen soll. Christa Pike, 50 Jahre alt und seit drei Jahrzehnten zum Tode verurteilt, überlebte zwei Dosen des Hinrichtungsgifts Pentobarbital, weil das Mittel offenbar ins Gewebe statt in ihre Venen gelangte. Sie liegt nun bewusstlos an einem Beatmungsgerät, während ein Gouverneur Hinrichtungen aussetzt und die Welt erneut fragt, was Strafe bedeutet – und wo ihre Grenzen liegen.

Am Mittwochabend in Tennessee sollte Christa Pike, 50 Jahre alt und seit 1996 zum Tode verurteilt, hingerichtet werden. Stattdessen begann eine stundenlange Tortur: Das Personal brauchte rund eine Stunde, um einen intravenösen Zugang zu legen. Pikes Anwalt zählte mindestens sieben Nadeln allein im linken Arm – eine davon kam beim Herausziehen um 90 Grad verbogen heraus. Pike weinte und sagte, ihr Arm fühle sich an, als würde er aufplatzen.

Als das Pentobarbital schließlich injiziert wurde, gelangte es offenbar ganz oder teilweise ins umliegende Gewebe statt in die Venen. Das stark alkalische Mittel verursacht bei Gewebekontakt schwere Verätzungen. Trotzdem entschied das Personal, eine zweite Dosis zu verabreichen. Pike atmete weiter. Beide Arme waren geschwollen, verbrannt, mit Blasen bedeckt; der rechte violett verfärbt. Bewusstlos wurde sie in ein Krankenhaus in Nashville eingeliefert, wo Ärzte versuchten, das Gift aus ihrem Körper zu entfernen.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer verurteilt worden – sie selbst war damals 18 Jahre alt. Ihre Mitangeklagten erhielten geringere Strafen. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Pannen: Bereits im Mai hatte Tennessee eine Hinrichtung abbrechen müssen, weil kein Venenzugang gelegt werden konnte.

Gouverneur Bill Lee setzte daraufhin alle weiteren Hinrichtungen bis Jahresende aus und ordnete eine externe Untersuchung an. Amnesty International hatte auf Pikes traumatische Kindheit hingewiesen; UN-Experten und der Sprecher des Generalsekretärs António Guterres hatten einen Stopp gefordert. Ob und unter welchen Bedingungen Tennessee das Todesurteil je vollstrecken kann, ist völlig offen.

Am Mittwochabend in Tennessee sollte eine Routine werden, die sich in ein medizinisches Desaster verwandelte. Christa Pike, 50 Jahre alt und zum Tode verurteilt, lag auf dem Hinrichtungstisch, während Personal versuchte, ihr das tödliche Gift zu injizieren. Doch etwas ging grundlegend schief. Nach zwei Dosen Pentobarbital — genau wie im Protokoll vorgesehen — atmete Pike weiter. Sie lag bewusstlos, an ein Beatmungsgerät angeschlossen, in einem Krankenhaus in Nashville, während Ärzte verzweifelt versuchten, das Gift aus ihrem Körper zu entfernen.

Die Probleme begannen lange vor der eigentlichen Injektion. Das Personal brauchte etwa eine Stunde, um einen intravenösen Zugang zu schaffen — eine Aufgabe, die routinemäßig in Minuten erledigt sein sollte. Pikes Anwalt Randy Spivey zählte mindestens sieben Nadeln, die allein in ihren linken Arm gestochen wurden. Eine davon war beim Herausziehen um 90 Grad verbogen. Während dieser qualvollen Prozedur hörte man Pike weinen. Sie atmete laut und sagte: "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen." Sie fragte, ob das normal sei.

Als Pike schließlich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, zeigten beide Arme das Ausmaß des Schadens: geschwollen, verbrannt, mit Blasen übersät. Das Pentobarbital, das injiziert worden war, ist stark alkalisch und verursacht bei Kontakt mit Haut, Gewebe und Venen schwere Verbrennungen. Ihr rechter Arm war violett verfärbt. Doch das Personal bei der Hinrichtung bemerkte offenbar nicht, dass das Gift ganz oder teilweise in das umliegende Gewebe statt in Pikes Venen gelangte. Die Entscheidung fiel: eine zweite Dosis verabreichen.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war damals 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Pike war die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund, 17 Jahre alt zur Zeit der Tat, erhielt lebenslange Haft. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Vorfall war nicht isoliert. Im Mai hatte Tennessee bereits die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Diesmal wurde ihm das tödliche Medikament nicht verabreicht. Jetzt, nach Pikes Fall, setzte Gouverneur Bill Lee alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an.

Mehrere Organisationen und Institutionen hatten versucht, die Hinrichtung zu verhindern. Amnesty International wies darauf hin, dass Pike während ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten hatte. Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp. Der Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres erklärte: Die Vereinten Nationen vertreten den Standpunkt, dass es die Todesstrafe nicht geben sollte — unabhängig davon, in welchem Land sie noch besteht.

Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend der 50 US-Bundesstaaten zugelassen, wird aber vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt. Im laufenden Jahr wurden in den USA bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet. Neben Giftspritzen sind auch der elektrische Stuhl und — seltener — Erschießungskommandos üblich. Offen bleibt nun, ob und unter welchen Bedingungen Tennessee versuchen könnte, Pikes Todesurteil nochmals zu vollstrecken.

Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln
— Randy Spivey, Anwalt von Christa Pike
Wir vertreten den Standpunkt, dass es die Todesstrafe nicht geben sollte, unabhängig davon, in welchem Land sie noch besteht
— Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres
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