Am Ende eines langen politischen Lebens tritt Gerhard Schröder erneut in den Dienst russischer Wirtschaftsinteressen — diesmal als Aufsichtsrat der Hyperglobus GmbH, dem russischen Ableger der deutschen Supermarktkette. Die Ernennung, die am 30. September bekannt wurde, fällt in eine Zeit, in der Moskau ausländische Konzerne unter Zwangsverwaltung stellt und die Grenzen zwischen Markt und Staatsmacht in Russland immer weiter verschwimmen. Schröder, seit Jahrzehnten eine Brücke zwischen Berlin und dem Kreml, bleibt eine Figur, an der sich die Frage entzündet, wo persönliche Loyalität endet und
Altkanzler Schröder wird Aufsichtsrat bei russischer Globus-Gruppe
Vier Tage vorher hatte Putin ausländische Firmen unter Zwangsverwaltung gestellt
Warum ist diese Ernennung gerade jetzt bemerkenswert? Schröder sitzt doch schon lange in russischen Unternehmen.
Der Zeitpunkt ist das Entscheidende. Vier Tage vorher hat Putin Metro, Auchan und Nestlé unter Zwangsverwaltung gestellt. Schröder wird in den Aufsichtsrat aufgenommen, während andere ausländische Konzerne enteignet werden.
Aber Hyperglobus sagt, der Globus-Ableger sei seit Januar 2025 unabhängig von der deutschen Holding. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Wir wissen nicht, ob das Schutz bietet oder ob es nur eine formale Trennung ist.
Was bedeutet es praktisch, dass Schröder "die strategische Entwicklung leitet"?
Das klingt nach echtem Einfluss auf Geschäftsentscheidungen. Aber wir haben keine Stellungnahme von Schröder selbst, keine Details über seine Aufgaben oder sein Gehalt.
Genau. Die Quelle ist nur das Unternehmen selbst. Wir wissen nicht, ob Schröder die Rolle aktiv angestrebt hat oder ob sie ihm angeboten wurde. Und ob er sie überhaupt annehmen wird, ist unklar.
Könnte das ein Versuch sein, Globus vor Zwangsverwaltung zu bewahren?
Das liegt nahe. Ein ehemaliger deutscher Kanzler im Aufsichtsrat könnte für Moskau ein Weg sein, das Unternehmen unter Kontrolle zu halten, ohne es formal zu enteignen.
Das ist Spekulation. Was wir wissen: Globus wurde abgetrennt, Schröder wird ernannt, andere Konzerne werden enteignet. Aber ein direkter Kausalzusammenhang ist nicht bestätigt.
O Pulso
- Nur vier Tage nach Putins Zwangsverwaltung von Metro, Auchan und Nestlé taucht Schröders Name in der Führung eines russischen Einzelhändlers auf — die Gleichzeitigkeit ist schwer zu ignorieren.
- Hyperglobus behauptet, seit Januar 2025 juristisch von der deutschen Muttergesellschaft getrennt zu sein — eine Konstruktion, die das Unternehmen bislang vor staatlichem Zugriff bewahrt hat.
- Ob Schröders Ernennung Teil einer Moskauer Strategie ist, ausländische Firmen durch vertraute westliche Gesichter zu stabilisieren oder zu kontrollieren, lässt das Unternehmen demonstrativ offen.
- Der 82-jährige Altkanzler hat sich bislang nicht geäußert — sein Schweigen verlängert eine politische Debatte, die Deutschland seit dem Beginn des Ukraine-Krieges nicht loslässt.
Am Ende eines langen politischen Lebens tritt Gerhard Schröder erneut in den Dienst russischer Wirtschaftsinteressen — diesmal als Aufsichtsrat der Hyperglobus GmbH, dem russischen Ableger der deutschen Supermarktkette. Die Ernennung, die am 30. September bekannt wurde, fällt in eine Zeit, in der Moskau ausländische Konzerne unter Zwangsverwaltung stellt und die Grenzen zwischen Markt und Staatsmacht in Russland immer weiter verschwimmen. Schröder, seit Jahrzehnten eine Brücke zwischen Berlin und dem Kreml, bleibt eine Figur, an der sich die Frage entzündet, wo persönliche Loyalität endet und politische Verantwortung beginnt.
Gerhard Schröder, 82 Jahre alt und seit langem als enger Vertrauter des Kremls bekannt, ist zum Mitglied des Aufsichtsrats der Hyperglobus GmbH ernannt worden — dem russischen Ableger der deutschen Supermarktkette Globus. Die Ernennung wurde am 30. September bestätigt; Schröder selbst hat sich bislang nicht dazu geäußert. Seine Aufgabe soll die allgemeine Unternehmensführung und die strategische Entwicklung des Unternehmens in Russland umfassen.
Der Zeitpunkt ist brisant: Nur vier Tage zuvor hatte Wladimir Putin die russischen Vermögenswerte von Metro, Auchan und Nestlé unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Hyperglobus hingegen blieb davon verschont — möglicherweise, weil das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit Januar 2025 juristisch und organisatorisch von der deutschen Holding getrennt operiert. Ob zwischen dieser Konstruktion und Schröders Ernennung ein strategischer Zusammenhang besteht, ließ das Unternehmen offen.
Schröders Russland-Engagement ist nicht neu. Als Bundeskanzler von 1998 bis 2005 vereinbarte er mit Putin den Bau der Ostseepipeline Nord Stream. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik übernahm er Führungsrollen bei Nord Stream und beim Energiekonzern Rosneft — Positionen, die ihn zur umstrittensten Figur der deutschen Nachkriegspolitik machten. Die neue Rolle bei Globus fügt sich nahtlos in dieses Muster ein und dürfte die Debatte über seine Nähe zum Kreml erneut entfachen.
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist zum Mitglied des Aufsichtsrats beim russischen Ableger der Supermarktkette Globus ernannt worden. Die Hyperglobus GmbH bestätigte die Ernennung am 30. September. Schröder, der 82 Jahre alt ist und seit langem als enger Vertrauter des Kremls gilt, soll künftig an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland lenken. Eine eigene Stellungnahme des Altkanzlers liegt bislang nicht vor.
Die Ernennung fällt in einen Moment, in dem Moskau massiv gegen ausländische Konzerne vorgeht. Nur vier Tage zuvor hatte Kremlchef Wladimir Putin die russischen Vermögenswerte des deutschen Einzelhandelskonzerns Metro unter vorübergehende staatliche Verwaltung gestellt. Gleiches geschah mit dem französischen Einzelhändler Auchan und dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé. Das Unternehmen Hyperglobus äußerte sich nicht dazu, ob zwischen Schröders Ernennung und diesen Zwangsverwaltungen ein Zusammenhang besteht.
Nach Angaben von Hyperglobus wurde der russische Globus-Ableger bereits seit Januar 2025 von der deutschen Holding abgetrennt und operiert seither "juristisch und organisatorisch" unabhängig in Russland. Diese Trennung könnte erklären, warum Globus bislang nicht wie Metro, Auchan und Nestlé unter Zwangsverwaltung gestellt wurde, während gleichzeitig ein ehemaliger deutscher Kanzler in die Unternehmensführung aufgenommen wird.
Schröders Karriere in Russland reicht weit zurück. Er war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und vereinbarte am Ende seiner Amtszeit mit Putin den Bau der Ostseepipeline Nord Stream. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik übernahm er Funktionen bei Nord Stream und beim russischen Energiekonzern Rosneft. Diese Positionen machten ihn zu einer der umstrittensten Figuren der deutschen Nachkriegspolitik.
Seit Jahren steht Schröder wegen seiner engen Verbindung zu Putin und seines Engagements für russische Energieunternehmen in der Kritik. Die neue Rolle bei Globus fügt sich nahtlos in dieses Muster ein und dürfte die Debatte über seine Russland-Nähe erneut anfachen. Ob die Ernennung Teil einer breiteren Strategie Moskaus ist, ausländische Unternehmen durch vertraute Personen zu kontrollieren, bleibt offen.
Citações Notáveis
Schröder werde an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland leiten— Hyperglobus GmbH