AfD-Politiker Rausch wird Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt

Demonstranten äußerten Angst vor Diskriminierung von Minderheiten und Spaltung der Gesellschaft durch rechtsextreme Politik.
Wer dieses Amt einer rechtsextremen Partei überträgt, trägt Verantwortung dafür, was daraus wird
Susan Sziborra-Seidlitz von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert die Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten.
Mark

Warum ist diese Wahl so bedeutsam? Rausch ist Präsident eines Landtags, nicht der Bundesrepublik.

Mimi

Weil es eine symbolische Grenze überschreitet, die seit der Gründung der Bundesrepublik bestand. Ein Politiker einer Partei, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft, leitet jetzt ein Parlament. Das ist nicht nur ein Amt – es ist Repräsentation.

Luke

Aber wichtig ist auch: Wer hat für ihn gestimmt? Die AfD und das BSW allein hatten nicht die Mehrheit. Vier Abgeordnete anderer Parteien stimmten für ihn, aber niemand weiß, wer. Das ist das eigentliche Problem.

Mark

Warum war die Abstimmung geheim?

Mimi

Das ist Parlamentspraxis bei solchen Wahlen. Aber die Geheimheit ermöglicht es Abgeordneten, ihre öffentliche Position zu bewahren, während sie anders abstimmen.

Luke

Genau. Wir wissen nicht, ob es vier Einzelne waren oder ob dahinter eine Strategie steckt. Das ist unklar.

Mark

Was bedeutet das Amt konkret für Rausch?

Mimi

Er leitet Sitzungen, führt den Ältestenrat, hat Hausrecht im Gebäude und repräsentiert das Parlament nach außen. Das ist Macht über die Tagesordnung und die Symbole der Institution.

Luke

Aber auch hier: Wie viel Macht hat ein Landtagspräsident wirklich? Das hängt von den Regeln ab, von der Koalition, von den anderen Fraktionen. Das ist nicht automatisch eine Machtübernahme.

Mark

Die Demonstranten sprachen von Angst um Demokratie und Menschenrechte. Ist das berechtigt?

Mimi

Sie äußern echte Sorgen. Wenn eine Partei, die als verfassungsfeindlich gilt, Institutionen kontrolliert, können Minderheiten gefährdet sein. Das ist nicht spekulativ.

Luke

Aber wir sollten unterscheiden zwischen berechtigter Sorge und dem, was tatsächlich passiert. Die Angst ist real. Ob sie sich bewahrheitet, hängt davon ab, wie Rausch das Amt nutzt und wie andere Institutionen reagieren.

  • Tobias Rausch (AfD) wurde mit 48 von 82 Stimmen zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt
  • Vier Abgeordnete außerhalb der AfD und BSW stimmten für Rausch, entgegen früherer Ankündigungen ihrer Parteien
  • Hans-Thomas Tillschneider (AfD) wurde zum Landtagsvizepräsidenten gewählt, mit 44 Stimmen, davon fünf von außerhalb der AfD
  • Rausch ist der erste rechtsextreme Politiker an der Spitze eines deutschen Landtags

Rausch erhielt 48 von 82 Stimmen, darunter vier von Abgeordneten außerhalb der AfD und BSW, entgegen früherer Ankündigungen. Als Präsident leitet Rausch Parlamentssitzungen, führt den Ältestenrat und repräsentiert das Parlament nach außen.

Tobias Rausch von der AfD wurde zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt – der erste rechtsextreme Politiker an der Spitze eines deutschen Parlaments. Die Wahl löste Proteste aus.

Tobias Rausch sitzt jetzt an der Spitze des Landtags von Sachsen-Anhalt. Der AfD-Politiker wurde am 7. Oktober 2026 zum Landtagspräsidenten gewählt – im ersten Wahlgang, mit 48 von 82 möglichen Stimmen. Das macht ihn zum ersten rechtsextremen Politiker, der ein deutsches Landesparlament leitet. Die Wahl war nicht allein eine Angelegenheit seiner eigenen Partei. Neben der AfD und dem BSW stimmten vier Abgeordnete aus anderen Fraktionen für Rausch, obwohl ihre Parteien zuvor erklärt hatten, das nicht zu tun. Wer diese vier waren, blieb offen – die Abstimmung war geheim.

Rausch hat nun die volle Autorität des Amtes. Er leitet die Sitzungen des Parlaments, führt den Ältestenrat und kontrolliert das Hausrecht im Landtagsgebäude. Nach außen hin repräsentiert er das gesamte Parlament – eine Rolle, die traditionell von Politikern erfüllt wird, die sich dem Schutz demokratischer Normen verpflichtet haben. Rausch selbst sieht das anders. "Die Zeiten von politischen Brandmauern sollten der Vergangenheit angehören", sagte er nach seiner Wahl. Damit spielte er auf die jahrzehntelange Praxis an, wonach etablierte Parteien die AfD isolieren, um ihre Macht zu begrenzen.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz reagierte scharf. Das Amt des Landtagspräsidenten, sagte sie, verlange die Bereitschaft, die Würde und Rechte aller zu schützen – besonders derjenigen, deren Überzeugungen man nicht teilt. "Wer dieses Amt einem Vertreter einer rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Partei überträgt, der trägt Verantwortung dafür, was daraus wird." Ihre Kritik richtete sich auch an jene Abgeordneten, die entgegen ihrer Ankündigungen für Rausch gestimmt hatten.

Vor dem Landtagsgebäude versammelten sich Demonstranten. Fabio Klinge, einer von ihnen, erklärte seine Präsenz: "Wir sind hier, weil wir gegen Rechtsextremismus sind und vor allem gegen die AfD in der Regierung." Er fürchtete, dass die Partei nicht nur Sachsen-Anhalt regiere, sondern mittelfristig auch auf Bundesebene Macht gewinnen könnte. Andere Demonstranten sprachen von persönlicher Angst. Eine Frau namens Jana, die nach eigenen Worten normalerweise nicht auf Demonstrationen geht, sagte: "Mir macht die Entwicklung solche Angst. Ich habe Angst um Demokratie. Ich habe vor allen Dingen Angst um Menschenrechte." Sie sorgte sich um die Zukunft ihrer Enkelkinder. Zoria Damer fürchtete strukturelle Diskriminierung von Menschen in ihrem Umfeld und warnte vor einer Spaltung des Landes.

Auch das Amt des Landtagsvizepräsidenten ging an einen AfD-Mann: Hans-Thomas Tillschneider, der als rechter Vordenker der Partei gilt. Er erhielt 44 Stimmen in der geheimen Wahl – fünf davon von Abgeordneten außerhalb der AfD. Wie bei Rausch blieb unklar, wer diese Stimmen abgab. Die beiden Wahlen zeigten ein Muster: Trotz öffentlicher Distanzierungen von der AfD stimmten einzelne Abgeordnete anderer Parteien für ihre Kandidaten. Das deutet auf Risse in der bisherigen Strategie der Isolation hin – oder auf Berechnungen, die über die öffentliche Rhetorik hinausgehen.

Die Zeiten von politischen Brandmauern sollten der Vergangenheit angehören
— Tobias Rausch, AfD
Wer dieses Amt einem Vertreter einer rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Partei überträgt, der trägt Verantwortung dafür, was daraus wird
— Susan Sziborra-Seidlitz, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen
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