125 Jahre Nobelpreis: Warum die Auszeichnung Wissenschaft und Gesellschaft prägt

Die Akademie setzt den Scheinwerfer auf Menschen und setzt damit auch gesellschaftliche Reize.
Ein Wissenschaftshistoriker erklärt, wie die Nobelpreise Aufmerksamkeit lenken und Bedeutung schaffen.
Mark

Warum ist der Nobelpreis eigentlich so viel bekannter als andere Wissenschaftspreise aus der gleichen Zeit?

Mimi

Das hat mit mehreren Dingen zu tun. Zum einen war er von Anfang an international – die meisten anderen Preise waren damals national geprägt. Zum anderen half die Neutralität Schwedens und Norwegens. Und dann waren unter den frühen Preisträgern einfach Namen wie Einstein und Curie, die bis heute bekannt sind.

Luke

Aber das ist ein bisschen zirkulär, oder? Der Preis wurde berühmt, weil berühmte Leute ihn bekamen – aber wurden diese Leute berühmt, weil sie den Preis bekamen?

Mimi

Das ist eine gute Frage. Burmester deutet an, dass die Akademie bewusst Scheinwerfer auf Menschen setzt. Bei Literatur und Frieden hat sie oft unbekannte Leistungen hervorgehoben.

Mark

Wie entscheiden die Komitees denn konkret, wer gewinnt?

Mimi

Jeden Herbst werden Wissenschaftler weltweit eingeladen, Kandidaten zu nominieren. Die Komitees wählen dann aus dieser Liste aus und holen externe Fachleute zu Rate.

Luke

Und wann fällt die endgültige Entscheidung?

Mimi

Das ist das Interessante – erst am Morgen der Verkündung. Das schafft diese Spannung.

Mark

Das bedeutet, dass selbst die Komiteemitglieder bis zum Schluss nicht wissen, wer gewinnt?

Mimi

Genau. Das verstärkt die Aufmerksamkeit zusätzlich.

Luke

Aber wie kann man dann sicherstellen, dass die Entscheidung wirklich fair ist, wenn sie so kurzfristig fällt?

Mimi

Das ist eine berechtigte Frage – die Quelle sagt dazu nicht viel aus. Linke betont eher, dass der Preis heute der Wissenschaft eine Bühne gibt und erklärt, warum bestimmte Arbeiten wichtig sind.

  • Während andere Wissenschaftspreise des frühen 20. Jahrhunderts längst verschwunden sind, hat der Nobelpreis seinen Ruf über ein Jahrhundert hinweg verteidigt – eine Beständigkeit, die erklärungsbedürftig ist.
  • Die internationale Ausrichtung von Beginn an und die politische Neutralität Schwedens und Norwegens schufen eine Glaubwürdigkeit, die nationalen Auszeichnungen verwehrt blieb.
  • Berühmte Preisträger wie Einstein und Curie machten den Preis selbst berühmt – eine Wechselwirkung, die seinen Glanz bis heute nährt.
  • Das Auswahlverfahren bleibt bewusst spannungsgeladen: Die endgültige Entscheidung fällt erst am Morgen der Verkündung, was die weltweite Aufmerksamkeit jedes Jahr neu entfacht.
  • Wissenschaftler wie der Nanophysiker Heiner Linke beobachten, dass sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Wissenschaft verändert – und der Nobelpreis dabei als globale Bühne an Bedeutung gewinnt.

Seit 125 Jahren verleiht die Welt einen Preis, der aus dem letzten Willen eines Erfinders entstanden ist und seitdem das Maß menschlicher Leistung mitbestimmt. Der Nobelpreis hat überlebt, wo andere Auszeichnungen vergessen wurden – weil er von Anfang an über Grenzen hinausreichte und in neutralen Ländern verwurzelt war, die dem Misstrauen der Nationen entzogen schienen. Heute lenkt er nicht nur Aufmerksamkeit auf Wissenschaft, Literatur und Frieden, sondern formt auch, was eine Gesellschaft als bedeutsam erkennt.

Am 27. November 1895 legte Alfred Nobel in seinem Testament den Grundstein für eine Auszeichnung, die der Menschheit den größten Nutzen ehren sollte. Fünf Jahre später, 1901, wurden die ersten Nobelpreise vergeben – in Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden. Der Wirtschaftsnobelpreis kam erst 1969 hinzu. Heute zählen diese Preise zu den höchsten Auszeichnungen, die ein Mensch empfangen kann.

Wissenschaftshistoriker Ralph Burmester vom Deutschen Museum in Bonn erklärt den weltweiten Ruhm des Nobelpreises mit seiner frühen Internationalität: Anders als die meisten Auszeichnungen jener Zeit war er von Anfang an nicht national gedacht. Dass er in Schweden und Norwegen verankert ist – Ländern, die den Großmachtbündnissen des frühen 20. Jahrhunderts fernblieben – verlieh ihm zusätzliche Glaubwürdigkeit. Berühmte Preisträger wie Einstein, Curie und Ehrlich machten den Preis selbst bekannt, während die Komitees für Literatur und Frieden oft Leistungen ins Licht rückten, die zuvor kaum wahrgenommen worden waren. Burmester sieht darin eine bewusste Strategie: Der Preis setzt Scheinwerfer und erzeugt damit gesellschaftliche wie politische Impulse.

Das Auswahlverfahren folgt strengen Regeln. Für jeden Preis arbeitet ein eigenes Komitee aus schwedischen oder norwegischen Fachleuten. Jährlich werden Wissenschaftler und Universitäten weltweit zur Nominierung eingeladen; externe Gutachter unterstützen die Bewertung. Eine besondere Spannung entsteht dadurch, dass die endgültige Entscheidung erst am Morgen der Bekanntgabe fällt – ein Moment, auf den die Welt wartet.

Heiner Linke, Nanophysik-Professor an der Universität Lund und Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, beobachtet, dass sich die Rolle des Preises wandelt: Wissenschaft werde in der Gesellschaft anders wahrgenommen als früher, und der Nobelpreis gebe ihr eine globale Bühne. 125 Jahre nach der ersten Vergabe bleibt die Auszeichnung eine der wirkungsvollsten der Welt – nicht allein wegen ihrer Geschichte, sondern weil sie nach wie vor die Kraft besitzt, die Aufmerksamkeit der Menschheit zu bündeln.

Am 27. November 1895 schrieb der schwedische Erfinder Alfred Nobel einen Satz in sein Testament, der die nächsten 125 Jahre prägen sollte: Sein Vermögen werde nach seinem Tod in eine Stiftung fließen, und die jährlichen Zinsen sollten "als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Fünf Jahre später, 1901, wurden die ersten Nobelpreise verliehen – in Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden. Der Wirtschaftsnobelpreis folgte erst 1969, gestiftet von der Schwedischen Reichsbank. Heute gelten diese Auszeichnungen als unter den höchsten, die ein Mensch empfangen kann.

Doch warum ist der Nobelpreis weltweit so bekannt geworden, während andere Wissenschaftspreise aus derselben Zeit längst in Vergessenheit geraten sind? Ralph Burmester, Ausstellungskurator und Wissenschaftshistoriker am Deutschen Museum in Bonn, nennt mehrere Gründe. Von Anfang an wurde der Nobelpreis international vergeben – ein Unterschied zu den meisten anderen Auszeichnungen des frühen 20. Jahrhunderts, die national geprägt waren. Auch der Ort spielte eine Rolle: Schweden und Norwegen waren damals nicht in die Großmachtbündnisse verstrickt, die Europa zerrissen. Diese Neutralität verlieh dem Preis Glaubwürdigkeit und half seinem Ruf zu wachsen.

Hinzu kam eine Frage des Glanzes. Unter den naturwissenschaftlichen Preisträgern waren viele Namen, die bis heute bekannt sind – Albert Einstein, Marie Curie, Paul Ehrlich. Diese Verbindung mit genialen Köpfen machte den Nobelpreis selbst berühmter. Bei den Preisen für Literatur und Frieden gelang es den Komitees häufig, Leistungen hervorzuheben, die vorher wenig bekannt waren. Burmester sieht darin eine bewusste Strategie: "Die Akademie setzt den Scheinwerfer auf Menschen oder Institutionen und setzt damit auch gesellschaftliche oder teilweise politische Reize." Diese Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu lenken und Bedeutung zu schaffen, trägt bis heute zur Macht des Preises bei.

Die Auswahl selbst folgt einem strikten Verfahren. Für jeden Preis gibt es ein eigenes Komitee, besetzt mit Fachleuten aus Schweden oder Norwegen. Heiner Linke, ein Nanophysik-Professor an der Universität Lund, sitzt in der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und bewertet derzeit Kandidaten für den Chemie-Nobelpreis. Jeden Herbst werden Wissenschaftler weltweit eingeladen, Kandidaten zu nominieren. Auch Universitäten reichen auf Einladung ihre Vorschläge ein. Die Komitees wählen dann aus dieser Liste diejenigen aus, die ihnen am preiswürdigsten erscheinen, und stützen sich dabei auf Bewertungen externer Fachleute.

Eine Besonderheit des Verfahrens ist das Timing: Die endgültige Entscheidung fällt erst am Morgen der Verkündung. Diese Spannung – das Nicht-Wissen bis zum letzten Moment – verstärkt die Aufmerksamkeit für die Preise zusätzlich. Linke betont, dass sich die Bedeutung des Nobelpreises in den letzten Jahren verschoben hat. "Was sich ja geändert hat, ist vielleicht, wie Wissenschaft in der Gesellschaft aufgefasst wird." Der Preis gibt der Wissenschaft, der Literatur und dem Einsatz für den Frieden eine globale Bühne. In den Tagen der Verkündung schaut die ganze Welt hin, und die Komitees erklären, warum die ausgezeichnete Arbeit wichtig ist. Diese Bedeutung, sagt Linke, wachse vielleicht nur noch. 125 Jahre nach der ersten Vergabe bleiben die Nobelpreise eine der wichtigsten Auszeichnungen überhaupt – nicht nur wegen ihrer Geschichte, sondern weil sie immer noch die Kraft haben, die Aufmerksamkeit der Welt zu lenken.

Die Akademie setzt den Scheinwerfer auf Menschen oder Institutionen und setzt damit auch gesellschaftliche oder teilweise politische Reize.
— Ralph Burmester, Ausstellungskurator und Wissenschaftshistoriker
Was sich ja geändert hat, ist vielleicht, wie Wissenschaft in der Gesellschaft aufgefasst wird.
— Heiner Linke, Nanophysik-Professor und Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften
Quer a matéria completa? Leia o original em tagesschau ↗
Fale Conosco FAQ